Hartz 4 Auszahlung an der Supermarktkasse

Eigentlich sollte der erste Artikel nicht über dieses Thema gehen. Sondern darum, wie sich mit Depressionen neue Krankheiten entwickeln.

Nun sehe ich heute die Nachrichten und traute meinen Ohren nicht. Bis Ende 2018 soll man flächendeckend, wie z.B. bei REWE oder dm seinen Hartz 4 Satz ausbezahlt bekommen. Erst dachte ich, das ist ein Aprilscherz. Aber wir haben ja Fasching.

Und doch kann man sich nur an den Kopf fassen, was sich die Behörden hier wieder dabei gedacht haben. Wahrscheinlich nichts. Es gibt Situationen, in dem man kein Bankkonto bekommt. In dieser Lage war ich selbst als Autor auch schon. Früher bekam man dann mit der Post einen Barscheck, ging damit zur Postbank, und nach einer Gebühr von fünf Euro wurde einem der Rest des Geldes ausbezahlt.

An sich war das schon damals eine dreiste Abzocke, davon abgesehen, dass jeder dort mitbekam, dass man Leistungen vom Staat bezieht. Aber wenigstens waren dort alle so beschäftigt mit ihren Paketen und Briefen, dass es keinen wirklich interessiert hat. 

Nun sollte man also, wenn man keine Postbank in der Nähe hat, einfach zum Supermarkt um die Ecke gehen. An sich ja eine tolle Idee. Oder etwa nicht?

Das heißt am Monatsende gehe ich in meinen Stamm-Supermarkt, viele Kunden (und Mitarbeiter) kennen einen, man kommt immer ordentlich angezogen und freundlich in den Laden. Keiner würde vermuten, dass hier eine Person steht, die Hilfe vom Staat benötigt. Doch an der Kasse nun die besten Klatsch und Tratsch für alle - und umsonst.

Der so nette junge Mann, der hebt seinen Hartz 4 Satz an der Kasse ab. "Das gibt es ja nicht. Der will bestimmt nur nicht arbeiten!"
Bemerken Sie die Brisanz dieses Themas? Was wäre, wenn Sie durch Krankheit auf Leistungen vom Staat angewiesen wären?

Jeder kennt Sie. Keiner würde auch nur ein schlechtes Wort über Sie denken. Aber nun? Sie sind außen vor. In den nächsten Wochen werden Sie gemieden. Bekannte grüßen Sie nicht mehr, und selbst das Personal sieht Sie plötzlich mit seltsamen Blick an.

Das Sie vielleicht an Depressionen leiden ist jedem in dieser Situation egal. Sie kommen gut angezogen in den Laden, haben also keine Lust zu arbeiten. Und schon sind Sie außen vor in der Gesellschaft. Freundschaften brechen ab, denn Sie leben angeblich nur auf der Tasche der anderen.

Und nun? Was keiner sieht: der Spott hat seine Wirkung. Sie kommen nicht mehr zum einkaufen in diesen Supermarkt. Keinen kümmert es. Alle Personen haben plötzlich eine Meinung, die wie in Stein gemeißelt scheint. Und plötzlich ließt man in der Zeitung, dass Sie sich umgebracht haben. Überdosis Tabletten.

Nun kommt der Ruf aus der Gesellschaft: "Wie konnte das nur passieren? In der heutigen Zeit, wo man immer Hilfe bekommt?" 

Gute Frage. Wie konnte das passieren? Keiner fühlt sich schuldig, obwohl jeder seinen Teil  dazu beigetragen hat. Auf einmal will es keiner gewesen sein, niemand hat Schuld. Alle haben nur verurteilt und Vermutungen in die Welt posaunt.

Was ist nun das Resümee dieses Artikels? Die Depression ist eine Last, keine Frage. Aber die Krankheit verurteilt niemanden, nur weil man Hilfe vom Staat bekommt. Wer ist also wirklich der Feind? 

Die Krankheit die einem zeigt, was geht und was nicht? Oder die Gesellschaft im Ganzen, die ja nur allen helfen möchte und demnächst wegen der Auszahlung der Hartz 4 Leistungen an der Supermarkt Kasse verächtlich die Nase rümpft, obwohl sie die Personen nicht persönlich kennen.

Der Unterschied ist nur, bei der Krankheit weiß man, dass sie einen umbringen möchte. Bei der Gesellschaft ist es ein Messer in den Rücken, an dem man langsam verblutet. 

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